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Welches Land kann schon von sich behaupten, der 11.11. sei sein National- feiertag? Das Rheinland natürlich. Aber ohne größere Recherchen angestellt zu haben, behaupten wir einfach mal, dass ansonsten nur Angola so geil ist und somit in dieser Disziplin den Vogel abgeschossen hat. Peng! 11. November, Tag der Unabhängigkeit in Angola. Herzlichen Glückwunsch!

Wer dann aber auch noch weiß, dass die Amtssprache in Angola portugiesisch ist, die angolanische Fußballmannschaft die höchste Niederlage ihrer Ge- schichte am 23. März 1989 in Lissabon (0:6) eingefahren hat und sich zudem noch der Tatsache bewusst ist, dass Angola das erste WM-Spiel seiner Geschichte am 11. Juni 2006 um 21:00 Uhr in Köln (11.11., Ihr wisst schon...) gegen Portugal bestreiten wird, der kann das alles natürlich für einen riesengroßen Zufall halten. Wir hingegen haben führende Scientology-Manager befragt. Und die bestätigten uns, dass diese einmalige Konstellation eindeutig belegt, dass Angola dieses Jahr Fußball- weltmeister wird. Gut, das ist jetzt keine große Überraschung. Aber dennoch fragt Ihr euch sicherlich: Was ist das für ein Land, dass am 09. Juli dieses Jahres in Berlin die internationale Fußballkrone aufgesetzt bekommt? Die eayz- Redaktion hat keine Kosten und Mühen gescheut. Wir waren in Angola. Ein Tatsachenbericht.

Okay, die Klugscheißer unter euch wissen sicher schon, dass in Angola noch andere Sprachen außer Portugiesisch gesprochen werden. Aber darauf waren wir bei unserer Ankunft am Flughafen von Luanda natürlich vorbereitet und so konnten wir uns mit den verschiedenen Taxifahrern sofort unter anderem auf Mbundu, Kwanyama und natürlich auch auf Ndonga verständigen. Bei unserer Fahrt ins Landesinnere wurde immer offensichtlicher, dass Angola ein verdammt cooles Land ist. So haben die Angolaner nicht nur eine Nationalflagge, nein, in Angola hat man sogar ein Nationalwappen. Auf beiden sticht dann auch sofort eine Art gewaltiges Brotmesser ins Auge, seit jeher ein Zeichen für lecker Brot und argen Spaß, wie man uns seitens Scientology per Handy bestätigte.

Nachdem wir dem Taxifahrer mit ein paar Kwanza abgespeist hatten, mussten wir gemäß angolanischem Brauch vor der jungen Dame an der Rezeption unseres Hotels erst mal die Angola Avante absingen. Doch leider waren wir noch nicht so textsicher. Unsere Fehler wurden sodann auch prompt mit kleinen, scharfen Hieben bestraft, wofür die beiden hoteleigenen Angola-Deutschen Ronny und Ingo zuständig waren. Danke nochmal, Jungs!

Vor lauter Spaß mit Ronny und Ingo hätten wir dann beinahe unseren wichtigen Termin beim angolanischen Staatspräsidenten José Eduardo dos Santos vergessen. Wir also flott ins Taxi und ab zum Staatspalast von Angola. Sofort nach unserer Begrüßung durch das 110.000 Mann starke angolanische Militär kam uns Herr dos Santos entgegengerannt. Schlagartig wurde uns klar, dass erneut das Absingen der Angola Avante gefordert war. Trotz unserer großen Nervosität gelang uns diese anspruchsvolle Aufgabe diesmal sofort.

Als Belohnung wurde uns dann im Speisesaal des Staatspalastes leckeres Affenbrot vom Affenbrotbaum serviert, dem Nationalgewächs Angolas. Als wir den Präsidenten dann eher beiläufig nach der politischen Lage im Land befragten, erklärte er uns, dass er ein korruptes Arschloch sei und es darum seit 1992 in Angola keine Wahlen mehr gegeben habe, was er dieses Jahr aber natürlich ändern wolle. Dann könnten auch die beliebten angolanischen Parteien wie die FDA, die TRD und die PAJOCA endlich wieder ordentlich Wahlkampf machen. Wir freuen uns drauf und schicken eayz-Wahlbeobachter, José!

Um schnell vom Thema abzulenken, berichtete dos Santos uns dann stolz davon, dass Angola momentan das größte Wirtschaftswachstum in ganz Afrika habe und wegen seiner Bodenschätze eines der reichsten Länder des Kontinents sei. Auf unsere Frage, warum nur 30% der Bevölkerung Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung haben und warum in Angola alle 3 Minuten ein Kind stirbt, obwohl gleichzeitig jährlich 180 Mio. US-Dollar ins Militär gesteckt werden, wurden wir erst mal in die Kellerräume des Staatspalastes geführt und 10 Stunden lang auf beste “24”-Art und Weise gefoltert. Erfreulicherweise gelang es uns nach dieser endlos langen Zeit, die Herzen der Wärter durch Anstimmen des beliebten angola- nischen Volksliedes “Kumbaya” zu erweichen. So gelangten wir wieder in die ersehnte Freiheit, wo auch schon der nächste Termin auf uns wartete.

Eine Taxifahrt später waren wir dann auch schon an unserem Ziel angelangt: Das Trainingsgelände der angolanischen Fußballnationalmannschaft, “Palancas Negras” genannt. Blitzschnell schoss uns warmes Pipi in die Augen, schließlich sahen wir hier den Weltmeister 2006. Dass es beim Training auf den ersten Blick zuging wie bei den Hottentotten, erklärte uns der inzwischen heran- geeilte Nationaltrainer Angolas, Luis de Oliveira, damit, dass in der gesamten Mannschaft nur zehn Profifußballer seien. Respekt! Voller Enthusiasmus, wenn auch ungefragt, wurde uns dann noch erzählt, dass Angola sich mit einem 1:0 gegen Ruanda für die WM qualifiziert hat und somit indirekt Nigeria rausgeworfen hat.

Nach dem Training war es dann endlich soweit: Wir hatten unser sehnsüchtig erwartetes Meet & Greet mit den angolanischen Fußballlegenden Antonio Neto und Fabrice Maceio, genannt Akwa. Voller Emotionen berichteten sie uns von der zu Beginn bereits erwähnten Pleite gegen ihre ehemalige Kolonialmacht Portugal 1989. Viel lustiger fanden wir allerdings die Geschichte vom zweiten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften im Jahr 2001 in Angola. Nachdem bereits drei angolanische und zwei portugiesische Spieler die rote Karte gesehen hatten, verletzte sich zu allem Überfluss auch noch der angolanische Spieler Helder Vicente. Somit war der Schiedsrichter gezwungen, dass Spiel nach 70 Minuten beim Stand von 1:5 für Portugal abzubrechen.

Das dritte Spiel ever zwischen diesen beiden Teams wird nun also am 11. Juni in Köln stattfinden und den Auftakt für eine siegreiche WM der Angolaner darstellen. Luis de Oliveira bemerkte unsere Erregung natürlich sofort und schenkte uns zwei Karten für das Spiel in Köln, die gerecht zwischen Eay und mir aufgeteilt wurden. De Oliveira erzählte uns, er habe die Karten erst vor kurzem “irgendso'nem Funktionär aus Singapur” gestohlen. Verwirrt, aber dennoch glücklich über die Karten für diesen Klassiker mussten wir auch schon wieder Abschied vom Team nehmen, da unser Flieger in die Heimat schon auf uns wartete.

Auf dem Rückflug wurden wir dann (wie so oft) sehr sentimental und ließen uns das Erlebte noch mal ausführlich durch den Kopf gehen. “So sind sie also, diese lustigen Angolaner.”, dachten wir. Wenn Ihr intelligent seid, dann fangt auch schon mal an, das angolanische Nationalteam für die WM zu supporten, dann könnt Ihr nachher auch sagen, dass Ihr es von Anfang an wusstet. Wir sind jedenfalls darauf vorbereitet, wenn sich am 09. Juli die Menschen in Luanda versammeln, Ihre coolen Brotmesser-Flaggen schwenken und die Angola Avante singen.

Gamto, der Autor dieses Artikels, ist Mitglied der eayz dot net Writing Force. Und damit Gamto weiss, was du von seinem Artikel, Angola, ihm selbst und der WM hälst, solltest du hier im Blog einen Kommentar zurücklassen.

- Gamto // 25.5.2006